Namibia - Botswana - Südafrika

Reisetagebuch

18.Jan.2006

(Bereich: Unterwegs)



Zum letzten Mal einen schoenen Gruss von uns aus Namibia.

Nach drei erholsamenen Tagen in den Cedarbergen heisst es fuer uns Abschied nehmen von den wirklich netten Besitzern der Jamaka Farm.




Es geht nun auf direktem Weg nach Norden, durch das voellig trockene Namaqualand, das kaum vorstellbar, sich jeden Fruehling in ein Bluetenmeer verwandelt.




Jetzt jedoch ist Sommer und nun wartet Suedafrika endlich doch noch mit richtig heissen Temperaturen ueber 40 Grad auf. Wir sind das gar nicht mehr gewoehnt und sind bald so fertig auf unseren Motorraedern, dass wir es wie die Afrikaner machen, uns einen schattigen Platz suchen und neben der Strasse auf dem Boden schlafen.




Zumindestens versuchen wir das, denn immer wieder fahren freudig hupende Lastwagen an uns vorueber. Diese begleiten uns auch auf den sandigen Strassen Namibias entlang des Oranje. Von Wind und Lastwagen aufgewirbelter Sand behindert oft erheblich unsere Sicht, so dass wir das ein und andere Mal anhalten muessen.








Auf unserem Weg durch die Namib Richtung Luederitz ist es bewoelkt. Vielleicht zum ersten Mal freuen wir uns darueber, denn hier sind im Januar Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad nicht selten. Wir haben es nicht so heiss, aber sobald die Sonne rauskommt, steigen die Temperaturen deutlich und wir freuen uns ueber jede Erfrischung.





Um uns herum ist Wueste und die holt sich alles zurueck, was der Mensch einst muehsam aufgebaut hat.




Dann erreichen wir Luederitz, ein kleines Staedtchen zwischen der Namib Wueste und dem Atlantik, eingekreist von Diamantensperrgebiet. Fast haben wir das Gefuehl diese Bedingungen sind zu viel fuer das Ueberleben dieser Stadt, denn viele Gebaeude sind hier verlassen. Zudem sind hier ueber Silvester und Naujahr alle Geschaefte fuer drei Tage geschlossen, die Strassen leergefegt, was einem zusaetzlich das Gefuehl gibt, in einer Geisterstadt zu sein.








So unternehmen wir einen Ausflug auf die Luederitz Halbinsel, wo wir das Diaz Kreuz ansteuern, ansonsten aber vor allem den hier erlaubten Fahrspass in den einsamen Duenen und am Strand geniessen.
















Dann besuchen wir eine wirklich Geisterstadt – Kolmannskuppe – wenige Kilometer von Luedeitz entfernt gelegen, die Mitte der 50er Jahre endgueltig verlassen wurde. Einst bluehende Diamantenstadt, ist es heute ein lebloser aber dennoch faszinierender Ort, den wir stundenlang erkunden.


















Nach erstaunlich windstillem und sonnigen Wetter in Luederitz geht unsere Fahrt weiter ins Tiras Gebirge und erleben zunaechst unseren ersten richtigen Sandsturm und im Anschluss ein wunderschoenes Farb- und Lichterspiel, dass uns trotz der bedrohlichen Wolken immer wieder staunend innehalten laesst.












Als wir schliesslich den Campingplatz an der Tirasfarm erreichen, ist es so stuermisch geworden, dass wir ein kleines einsam gelegenes Haeuschen zum Uebernachten angeboten bekommen. Hier haben wir alles fuer uns alleine, Dusche, Toilette, Grill- und Feuerstelle und dazu einen herrlichen Ausblick.




Gesellschaft haben wir nur von einem kleinen putzigen Tierchen.




Am naechsten Tag wartet auf uns nicht nur eine landschaftlich wunderschoene Strasse entlang der Tirasberge, sondern auch ein schlimmes Erlebnis, das uns lange beschaeftigt. Zunaechst aber erfreuen wir uns der zahlreichen Oryxe, die immer wieder rechts und links der Zaeune friedlich grasen. Dann entdecken wir einige Oryxe ganz nah am Zaun. Wir fahren langsam heran, um zu versuchen von diesen scheuen Tieren mal ein naeheres Bild zu machen. Doch diese Tiere sind nicht hinter, sondern vor dem Zaun und sind, wie wir schnell merken offensichtlich nicht in der Lage, ueber die Zaeune zu springen. In Panik laufen die Oryxe von einer Seite auf die andere immer vor uns her, so dass wir keine Chance haben, vorbeizukommen. Dann naehert sich ploetzlich ein Auto von der anderen Seite, das eine riesige Oryxherde vor sich hertreibt. Nun sind die Tiere eingekreist, wir auf der einen, der Gelaendewagen auf der anderen Seite. Alles steht fuer einen Moment still, dann faehrt der Wagen langsam an und es bricht eine wahre Panik unter den Tieren aus. Voellig besinnungslos rasen die Tiere auf uns zu, stuerzen sich rechts und links kopfueber in die Zaeune und werden von den hinterherstuermenden Tieren ueberrollt. Wir verfolgen voellig entsetzt dieses grausame Schauspiel, selber in Angst, von den Tieren ueberrant zu werden und erleben so den Tod einiger dieser wunderschoenen, eleganten Tiere mit.













Wie wir spaeter erfahren, sind undichte Framzaeune verantwortlich dafuer, dass die Tiere auf der Strasse waren und viele dieser Tiere wohl alleine noch an dem Stress, dem sie ausgesetzt waren, gestorben sein werden.

Doch es folgen wieder schoene Erlebnisse. Ein ganz besonderes davon ist der Besuch der Pfarrerfamilie Kisting in Gibeon. Wir haben die Adresse von einem Pfarrer aus Duesseldorf bekommen, der uns hier ankuendigen wollte, dies aber offensichtlich vergessen hat. So werden wir zunaechst mir grossen Augen angeguckt, doch schnell heisst es „Welcome“! Zunaechst bekommen wir eine Fuehrung durch Gibeon, wobei uns weniger die wenigen schlecht erhaltenen deutschen Gebaeude interessieren, als die wirklich schoen gestalteten Wellblechhuetten, der Bevoelkerung.








Der Besuch ist fuer beide Seiten ein tolles Erlebnis, denn wir sind hier nicht nur die einzigen Motorradfahrer, sondern auch die ersten, die hier zelten. Jeder Handgriff von uns wird genauestens beobachtet, jede Kleinigkeit hinterfragt und natuerlich macht Tom unzaehlige Motorradtouren mit den Kindern durch den Ort. Wir zeigen uns gegenseitig Fotos, tanzen zusammen den typischen Namatanz und wir versuchen verzweifelt die Klicklaute der Namasprache nachzuahmen. Doch so viel Muehe sich alle mit uns geben, wir sind schlechte Schueler und lernen nicht ein Wort. Dafuer aber kommt mit uns nach Monaten der Trockenheit der Regen nach Gibeon und darueber freuen sich hier alle so sehr, dass uns sogar in einem Tischgebet dafuer gedankt wird. Na ja, was soll man als Deutscher auch sonst bringen! Der Besuch wird auf jeden Fall unvergesslich bleiben!














Dann entschliessen wir uns ein zweites Mal zur in der Kalahari gelegenen Noasanabis Farm zu fahren, wo wir uns schon wie alte Bekannte vorkommen. Dicke schwarze Wolken ziehen auch hier am Abend auf, die Regenzeit ist nun wirklich voll im Gange.




Dies ist auch an der Natur deutlich zu sehen. Wo vorher vertrocknetes Gras wuchs, waechst und blueht es nun. Gruen erstrahlt die Kalahari.




Nicht nur nach Noasanabis sondern auch nach Tsumeb fuehrt uns unsere Reise ein zweites Mal. Wir sind wiedergekommen, um eine Tour zu den San, den Buschmaennern zu machen. Hier duerfen wir einen Tag am urspruenglichen Leben, der San teilnehmen, ein Nomadenvolk, das vom Jagen und Sammeln lebt, dem seit zehn Jahren aber sowohl das Umherziehen, als auch das Jagen verboten worden ist, was hier in Namibia sonst jeder darf. Trotzdem leben die San ihre Kultur weiter und versuchen nun durch den Tourismus zu ueberleben. Wir duerfen alles mitmachen, koennen Wurzeln, Knollen und Graeser probieren, versuchen Speer zu werfen, mit Pfeil und Bogen zu schiessen, Schmuck herzustellen und auch Feuer zu machen. Die San sind dabei unheimlich herzlich, lachen und freuen sich mit uns. Auch dies ist eine wunderschoene Erfahrung.
































Kurz entschlossen fahren wir anschliessend nochmal nach Etosha und koennen ein weiteres Mal die beeindruckende Tierwelt Namibias erleben.
































Im Anschluss lassen wir alle weiteren Plaene fallen, fahren nach Swakopmund und nehmen uns Zeit fuer uns.

Dann wird es auch schon Zeit die Motorraeder wegzubringen. Wir fahren ein letztes Mal auf Namibias Strassen nach Walvisbay und verpacken alles in unsere Kiste.




Was fuer ein komisches Gefuehl, wo wir uns inzwischen so sehr daran gewoehnt haben, hier auf den herrlichen einsamen Strassen zu fahren.

Am Sonntag geht es fuer uns zurueck nach Deutschland. Auf ein baldiges Wiedersehen!!!

Sylvia, Tom



von Thomas um 17:33:17
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